Christian Schubart

Lyrische Werke

Eheliche Gutenacht

Gute Nacht!

Unser Taglauf ist vollbracht,

Goldne Sternlein äugeln wieder

Von des Himmels Zinne nieder;

Und des Mondes Scheibe lacht,

Gute Nacht!

Zum Klavier,

Herzensweibchen, eilen wir! –

Um ins Goldgeweb’ zu spielen,

Was wir für einander fühlen;

Ich mit dir und du mit mir,

Am Klavier.

Gottes Ruh’

Säuselt uns vom Himmel zu;

Bringt uns der Empfindung Fülle,

Zärtlichkeit und Herzensstille,

Ach ich fühle sie wie du

Gottes Ruh’.

O gewiß, Welt,

Welt du bist ein Paradies;

Wenn wir schon im Erdenleben

Liebe nehmen, Liebe geben; -

Welt, so bist du uns gewiß

Paradies.

Schimmernd fällt

Unsre Thrän’ dem Herrn der Welt.

Ach! dem Stifter unsrer Ehe

Flammt der Dank zur fernsten Höhe! –

Sieh, die Zähre, Herr der Welt,

Wie sie fällt! -

Gute Nacht!

Sieh den Mond in stiller Pracht

Uns mit goldenen Strahlen winken,

Um in deinen Arm zu sinken,

Weib, zur Wonne mir gemacht. –

Gute Nacht!